Trekking, das Wandern über mehrere Tage ,fand ich schon immer ein sehr spannendes Thema. Bisher konnte ich meine Frau und die Kinder davon allerdings noch nicht so ganz überzeugen.

Max, unser Sohn, fand den Gedanken zwar auch sehr gut, aber was es wirklich bedeutet, alles benötigte selbst zu schleppen, konnte er sich nicht wirklich vorstellen.

Eines meiner Traumziele wäre eine Trekkingtour durch den Nationalpark Val Grande in Norditalien, aber mit kleinen Kindern kann/ sollte man das wohl nicht so leichtfertig durchziehen.

Aber zu einer kurzen Probetrekkingtour erklärten sich alle bereit und in den Herbstferien war es dann endlich so weit. Auslandsurlaub war wegen Corona eh gestrichen, also musste etwas heimatnahes her. Auf einer unserer ersten gemeinsamen Touren kamen wir an der Schmidtburg bei Bundenbach vorbei, schon damals beschlossen wir, hier irgendwann einmal zu übernachten.

Also buchten wir dort einen Zeltplatz, besorgten uns ein leichtes 3 Mann Trekkingzelt und packten die Rucksäcke. Aufgrund der extremen Trockenheit, war es monatelang verboten, dort auf der Burg Lagerfeuer zu machen. Kurz vor den Ferien begann es aber nass und kühl zu werden, was natürlich auf der einen Seite nicht so schön war, aber nach mehreren Telefonaten mit vielen Menschen, die nicht zuständig waren, konnten wir zum Glück die Genehmigung zum Feuer machen vom Bürgermeister von Schneppenbach einholen.

Also musste auch eine Säge und das Beil mit ins Gepäck. Da wir es zwar bisher immer geschafft hatten, unser Gepäck auf engstem Raum zu transportieren (10 Tage Camping in Südfrankreich mit 4 Personen und einem Skoda Fabia Kombi) mussten wir doch feststellen, das im Rucksack noch weniger Platz vorhanden ist.

Unsere Kleinste wollte unbedingt auch ihren Rucksack tragen und darin sollte auf jeden Fall der Schlafsack und die Süßigkeiten verstaut sein.

Unser Großer trug ebenfalls seinen Schlafsack, Regenkleidung und ein Paar Getränke.

Wir Erwachsenen hatten die Verpflegung, Zelt, Schlafsäcke, Kochutensilien und Wechselklamotten für die Kinder auf unsere Rucksäcke verteilt. Ebenso Beil und Säge, sowie reichlich Wasser und eine Flasche Wein für den Abend. Insgesamt waren unsere Rucksäcke mit knapp unter 20 Kg viel zu schwer, aber das muss man ja auch erst mal lernen…

Da wir uns mit der Wasserversorgung nicht sicher waren, nahmen wir genug Wasser mit, dies machte für 4 Personen den größten Teil des zu tragenden Gewichtes aus. Hier würden wir wohl beim nächsten mal lieber in einen Wasserfilter investieren um das vorhanden Wasser vor Ort zu filtern.

Wechselklamotten für Kinder sind unverzichtbar, schnell trocknende Trekkingkleidung hat da große Vorteile, normale Kleidung bekommt man auf so einer Tour so gut wie nicht mehr trocken. Regenbekleidung sollte schnell erreichbar sein, wie wir feststellen mussten…

Insgesamt haben wir auf der Testtour viele wertvolle Erfahrungen gemacht, die uns beim nächsten mal hoffentlich sehr viel Gewicht und Unbequemlichkeit ersparen werden

Wir starteten Montags morgens Richtung Wanderparklatz Bundenbach zur Traumschleife Hahnenbachtaltour im Hunsrück und kamen gegen 11 Uhr dort an.

Während die Mama alle Rucksäcke noch einmal überprüft, geh ich mit den Kindern zum aufwärmen den Aussichtsberg erklimmen. Der Berg befindet sich direkt am Parkplatz. Er ist zwar nicht hoch, aber sehr Steil und zum Aufstieg kann man sich an einem Seil festhalten. So etwas macht den Kindern immer einen riesigen Spaß. Von dort oben hat man einen tollen Ausblick über das Hahnenbachtal und auf die Schmidtburg. Unserem Tagesziel.

Wir hatten uns entschieden, ganz klein anzufangen und einfach die Traumschleife ab zu wandern und auf der Hälfte der Strecke auf der Schmidtburg zu übernachten. Das bedeutete Etwa 10 Kilometer in 2 Tagen, für erfahrene Trekker natürlich nicht viel, aber für uns mit den Kindern erst mal genug – soll ja Spaß machen und nicht in eine Tortur ausarten.

Nun geht es los. Alle schultern ihre Rucksäcke und die ersten Meter geht es bergab. Ein paar Einstellungen an den Rucksäcken werden noch vorgenommen, bis der erste Aufstieg zur Altburg genommen wird. Das Gewicht des Rucksacks macht sich nun erstmals bemerkbar, das wandern mit leichtem Gepäck ist kaum mit dem tragen eines schweren Rucksacks zu vergleichen, das stellen wir schnell fest.

Die Altburg ist eine befestigte keltische Höhensiedlung, die im 3. bis 1. Jahrhundert vor Christus genutzt wurde. Ein Teil der Anlage ist rekonstruiert worden und gibt so einen Einblick in das Leben der Kelten in ihren Lehmhütten hier in der Gegend vor über 2000 Jahren.

Von der Altburg führt uns der Weg hinauf auf die Höhe. Beim Verlassen des Waldes empfängt uns ein kalter Wind, der uns schon ein wenig fröstelnd auf die Nacht blicken lässt

Aber beim folgenden Abstieg beginnt auch wieder der Wald und somit konnten wir windgeschützt weiter wandern. Auf einer Bank mit schönem Talblick rasteten wir kurz. Eine Gruppe Jugendlicher kommt an uns vorbei. Ihr nicht mehr ganz so Jugendlicher Betreuer erkundigte sich neugierig, warum wir denn so viel Gepäck dabei hätten. Nach kurzer Erklärung unsere Tour war er beruhigt und zog von dannen…

Der weitere Abstieg ins Hahnenbachtal ist schnell geschafft und die Brücke aus dickem, alten Douglasienholz lässt uns auch das Flüsschen leicht überwinden.

Über weiten Wiesen folgt der Weg nun dem Hahnenbach aufwärts bis er rechts herum in den Wald abknickt. Der beginnend herbstliche Eichen Buchen Mischwald verschluckt uns und ein steiler Aufstieg zur Hellkirch beginnt.

Die Hellkirch

Die Ruine Hellkirch thront 60 Meter hoch über den Tal. Was die Ruine einmal war, weiß heute niemand mehr, es könnte eine Burg oder eine Kirche gewesen sein. Übrig sind nur Legenden von einem darunter vergrabenen goldenen Wagen und die Reste eines quadratischen Baus mit einem gotischen Rundbogenfenster.

Von der Hellkirch führt der Weg wieder hinab ins Tal, entlang alter Grenzsteine , die die Grenze zwischen Preußen und dem Herzogtum Oldenburg markieren.

Entlang des Hahnebaches laufen wir nun der Schmidburg entgegen. Wir kommen an einem Gewässerlehrpfad und an alten Stollen vorbei. Als wir an den Resten einer alten Achatschleife ankommen, beginnt es ziemlich heftig zu regnen. Schnell packen wir die Regenjacken und die Rucksacküberzüge aus, so schnell wie Möglich zumindest… Nun beginnt es auch noch zu graupeln, der Weg wird weiß, mit so etwas haben wir nicht gerechnet, aber was solls, die Burg ist nicht mehr weit.

Nach dem Regen, kommt die Sonne

Die letzten Höhenmeter werden nun leichter, erst kommen wärmende Sonnenstrahlen durch das Blätterdach der Bäume und dann kann man schon die Mauern der Burg erkennen. Stolz schreiten wir auf das Burggelände, als ob man uns einen gebührenden, königlichen Empfang bereiten würde, aber es ist niemand da, selbst die Sonne verschwindet wieder hinter den Wolken verschwunden.

Wir suchen unseren Zeltplatz auf dem riesigen, verwinkelten Burggelände, der Burghof genannt wird, den wir nach ein wenig hin und her schließlich finden.

Ich habe es eilig das Zelt auf zu bauen, bevor der nächste Regenschauer über uns hereinbricht. Gesagt getan, das Zelt steht schnell, die Isomatten und Schlafsäcke werden von den Frauen vorbereitet.

Max und ich ziehen mit der Säge los in den Wald um Feuerholz zu besorgen.

Schnell haben wir ein paar trockene Hainbuchen und dicke Eichenäste gefunden und schleifen sie zurück auf die Burg. Am Eingang treffen wir auf ein paar „normale“ Touristen in Turnschuhen, die uns ungläubig anstarren. Die Tochter der Familie traut sich als ersten zu fragen, was macht ihr mit dem ganzen Holz, ich antworte freundlich, was denkst du denn, was wir damit machen? Sie sagt, mit Holz macht man Feuer, Max antwortet, ja genau, wir machen jetzt Feuer und grillen dann unsere Würstchen, ich ergänze, das es heut Nacht sicherlich kalt hier auf der Burg wird, und ein wärmendes Feuer kann nicht schaden, ungläubige Augen, ihr schlaft hier?! Ja heut Nacht bleiben wir hier…

Zurück am Zelt bereiten wir unser Feuer vor, klein sägen, Hacken und dann endlich anzünden. Schnell beginnt das Feuer zu knistern, wir vier stehen im Rauch am Feuer und blicken hinein – die entstehende Glut beginnt zu wärmen, das tut gut. Ein heißer Tee wird gekocht und wir setzen uns ans Feuer und genießen die Ruhe.

Nebel zieht über die Burg, aber es bleibt trocken. Nach und nach kommen noch weitere Trekker an der Burg an. Wir begrüßen sie, kurzer smaltalk, aber man bleibt unter sich.

Einer von ihnen bricht dünne, trockene Äste von den Haselsträuchern in der Nähe ab. Wir bieten ihm unsere Säge an, erst lehnt er ab, kommt aber kurze Zeit später doch noch zurück und leiht sie sich aus.

Wir beginnen unsere Würstchen auf die Haselstöcke aufzuspießen und halten sie übers Feuer bis sie gebraten sind, so gefällt es uns, keiner meckert, alle sind zufrieden.

Der einsame Wanderer bringt unsere Säge zurück, und als Dankeschön ein großes Stück Holz – über so etwas freut man sich natürlich sehr, da brauchen wir für den Morgen gar nicht mehr los zum suchen. Eine nette Geste.

Manches wir nur schwer wieder trocken…

Mittlerweile ist es dunkel geworden, wir machen noch eine kleine Nachtwanderung über die Burg, Mama und Papa genießen eine Flasche Wein am Feuer, bevor wir alle müde in den Schlafsack kriechen. Als wir liegen, beginnt es zu regnen. Glück gehabt, das es nicht früher begonnen hat. In der Nacht bekommt Merle einen Wachstumsschub, sie hat schmerzen in den Unterschenkeln. Als sie dann mit in Mamas Schlafsack darf, schläft sie zufrieden weiter.

Als es wieder hell wird, sind wir alle wach, nur Nancy hat schlecht auf ihrer selbstaufblasenden Matte geschlafen, da müssen wir nach einer Alternative suchen,

ich habe mir eine dickere Luftmatratze, und zwar die Elphin Air von Frilufts zugelegt, die ist mindestens so bequem wie mein Bett zu Hause, war zwar nicht billig, aber das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ansonsten bin ich mit der etwas günstigeren Ausrüstung vollkommen zufrieden, aber in dem Fall ging das nicht anders.

Nancy bleibt also noch liegen, während wir anderen schon mal Feuer machen und Tee kochen. Über uns liegt dicker Nebel, die Burgmauern sind nur Schemenhaft zu erkennen, irgendwie gespenstig aber schön.

Frühstück

Als der heiße Tee im Becher ist, gesellt sich auch Nancy zu uns und wir genießen unser Trekking Müsli aus der Tüte, einfach, aber lecker! Merle isst allerdings lieber eins der Brötchen von gestern mit Ketchup, naja muss ja eh weg, da der Großteil der Soße sich schon im Rucksack auszubreiten droht.

Nach dem Frühstück erkunden die Kinder noch einmal auf eigene Faust die Burg, als sich ein menschliches Bedürfnis anzukündigen droht. 2O Meter von unserem Zelt befindet sich an einem Abhang ein Plumpsklo, das wir nun etwas genauer unter die Lupe nehmen müssen. Mit einer Kloauflage aus Papier ist das ganze recht bequem, und mit offener Tür ist die Aussicht in das bewaldete, von Nebelschwaden verhangene Tal, unbezahlbar. Laut Aussage von Max, eines der schönsten Klos überhaupt. Sogar Nancy genießt die Aussicht während des Geschäfts.

Alles muß wieder mit!

Nun geht es ans zusammenpacken. Überraschender weise passt alles wieder in die Rucksäcke, unsere Wasservorräte haben stark abgenommen und so sind auch die Rucksäcke spürbar leichter geworden. Nach einer letzten Runde über die Burg, beginnen wir den Abstieg wieder zurück ins Hahnenbachtal. Entlang des Baches passieren wir die Ruine der Schmidtburger Mühle und erreichen durch das FFH (Flora Fauna Habitat Schutz ) Gebiet den Forellenhof, ein Gasthaus mit Hotel mitten im Wald. Dort werden wir von den Hotelgästen etwas schräg angesehen. Ok, wir sehen auch aus, als ob wir die letzte Nacht im Wald verbracht haben…

Nun beginnt der letzte Aufstieg in Richtung Ziel. Er ist steil und langgezogen. Merle beginnt zu schwächeln. Ich hatte früher damit gerechnet, aber sie hat doch lange durchgehalten mit ihrem Rucksack. Wohl oder übel nehme ich sie auf die Schulter.

Insgesamt ist mir das mit meinem Rucksack eigentlich zu schwer, aber was will man machen, Alternative wäre zu Hause zu bleiben, das will ich auch nicht.

Der Weg führt uns nun in den Berg. Durch einen ehemaligen Stollen geht es weiter bergauf. Merle muss runter, da der Stollen gerade mal so hoch ist wie ich selbst.

Sie akzeptiert und marschiert selbst weiter, in Etappen nehme ich sie hoch, das zehrt an den Kräften, aber was Muss, das Muss. Einige schöne Aussichtspunkte erlauben uns noch einmal einen Blick auf die Burg, unser Nachtlager, stolz sind wir alle, das wir es bis hier hin geschafft haben, der Rest geht auch noch! Wir ziehen langsam weiter. Irgendwann erreichen wir den Parkplatz mit unserem Auto, glücklich stellen wir die Rucksäcke ab. Und was passiert dann?

Die Kinder wollen auf jeden Fall noch mal eben schnell auf den Aussichtsberg hochklettern, nicht einmal, mehrfach wenns geht. Nancy lehnt zufrieden ab, ich komme mit.

So endet unser erstes Trekkingabenteuer mit der Erkenntnis, auch wenn die Kinder sagen, sie können nicht mehr – sie können doch noch, wenn sie denn wollen…

Hoffe das Lesen hat gefallen!

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