Wenn man von einer Tour durch einen Nationalpark spricht, erwartet der Zuhörer Geschichten über Abenteuer, wilde Natur und Tiere, sowie schmale Pfade und Einsamkeit.

So dachten wir auch, als wir uns am Gründonnerstag auf den Weg nach Neuhütten machten, um die 12 Kilometer der Traumschleife um den Dollberg zu erleben.

Am westlichen Ende des Nationalpark Hunsrück Hochwald, der sich über die Hunsrückhöhen und den Hochwald im Saarland und Rheinland Pfalz erstreckt, liegt der Dollberg. Rund herum führt die Traumschleife, zumindest teilweise, durch den Nationalpark.

Gegen 11 Uhr erreichen wir unseren Startpunkt, den Parkplatz an der Köhlerhütte in Neuhütten bei Nonnweiler. Hier gäbe es Getränke, Eis und Verpflegung, wenn nicht durch Corona alles geschlossen wäre. Wir wundern uns, das wir die Einzigen auf dem Parkplatz sind. Das Wetter ist perfekt, wolkenloser blauer Himmel, knapp 20°. Am Spielplatz der Köhlerhütte vorbei, durchschreiten wir das Startportal und stehen vor der Wahl ob wir links herum oder rechts herum beginnen. Die Kinder dürfen das Problem mit Schnick Schnack Schnuck lösen und der Gewinner Max entscheidet links herum.

Der Waldweg knickt kurz darauf im rechten Winkel ab und der Aufstieg beginnt entlang der Skipiste.

Die Piste kennen wir noch vom Winter, als wir versuchten, irgendwo einen Platz zum Schlittenfahren im Hunsrück zu finden. Nachdem erst der Erbeskopf und nacheinander alle anderen Möglichkeiten gesperrt wurden, kamen wir durch Zufall hier her – einen Tag später war dann aber auch diese Strecke für Besucher gesperrt.

Gute Blasenpflaster sollte man auf jeder Tour dabei haben.

Fast schnurgerade führt der Pfad den Berg hinauf, erst an der Piste entlang, gefolgt von einem Stück Fichten – Lärchenmischwald. Auf der Höhe erwartet uns eine Bank. Hier verarzten wir erst einmal eine Blase am Fuß von Merle, die ihre neuen Schuhe erst einlaufen muß.

Lange, gerade Bahnen.

Wieder, im fast rechten Winkel knickt der Weg hier oben ab und läuft nun in sanfter Steigung, aber immer schnurgerade den Dollberg hinauf. Der Wald ändert sich. Nun kommen wir in eine der Kernzonen des Nationalparks. Vor allem Buchen wachsen hier. Da Windwurf und Schneebruch hier oben nicht entfernt werden, müssen wir immer wieder um umgestürzte oder abgebrochene Bäume herum laufen. So entsteht aus dem, wie mit dem Lineal gezogenen Weg, ein abwechslungsreicher Pfad, der durch den Urwald mäandert. Wir passieren die Höhenmarkierung und das Gipfelkreuz des Dollbergs. Der Weg führt nun wieder aus dem Urwald heraus und wird breiter.

Plötzlich stehen wir vor einem riesigen Steinwall, den wir über die „Steinerne Treppe“ besteigen. Es handelt sich um den Keltischen Ringwall von Otzenhausen, der früher auch als Hunnenring bezeichnet wurde.

Der keltische Ringwall

Ungefähr 400 Jahre vor Christi Geburt legten die Kelten hier eine Befestigungs- und Wohnanlage für ihren Fürsten an. Die Kelten in dieser Gegend gehörten zum Stamm der Treverer.

Zu ihrer Blütezeit (100 v. Chr.) war die Nordmauer ca. 20 Meter hoch und 25m breit. Die zerfallene Mauer ist noch heute mit einer Höhe von 10 Metern und 40 Meter Breite sehr beeindruckend.

Schon vor über 2000 Jahren tranken die Kelten aus dieser Quelle.

Der gesamte Bergrücken war damals mit einer Steinmauer umgeben. Wir folgen dem Weg an der Quelle der Festung vorbei in Richtung westlichem Ausgang. Von hier oben kann man den Nonnweilerer Stausee erkennen. Bis dahin wollen wir durchhalten, um dort unser Mittagessen am Wasser zu genießen.

Hoch über dem Stausee

Von der Höhe des Ringwalls steigen wir nun durch ein Meer aus Felsen hinab in Tal. Man muss schon ein wenig aufpassen, um bei den vielen Felsbrocken und Spalten nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Unten angekommen trifft uns der Schlag der Zivilisation. Ein breiter Weg führt Richtung Hauptstraße. Während uns bisher nur vereinzelt Wanderer entgegen kamen, ist es hier unten ziemlich voll. Es gibt ein nachgebautes Keltendorf, das aber geschlossen ist. Laut Schild soll es am 1. Mai öffnen, aber wer weiß, ob das so kommt. Wir überqueren die Straße und den Waldparkplatz. Von hier könnte man die Tour auch beginnen.

Ein Erdkrötenpaar
Ein Springfrosch

Wir verlassen den breiten Waldweg, ein Pfad führt um einen kleine Weiher herum. Überall hüpfen Erdkröten und Frösche, alleine und zu zweit, über den Waldboden und den Weg. Sie alle wollen zum Wasser des Weihers. Dort sind sie geschlüpft und dort wollen sie auch ihren Laich ablegen. Der Pfad führt zurück auf den breiten Weg. Endlich gelangen wir zur Talsperre. Zu unserer Überraschung ist das Gewässer eingezäunt. Wir kommen gar nicht bis zum Ufer, da es sich hierbei um ein geschütztes Trinkwasserreservoir handelt. Die Kinder sind enttäuscht, aber wir müssen uns mit einer Bank oberhalb des Sees begnügen und stillen Durst und Hunger.

Endlose Schotterpisten…
… führt zu schneller Unlust und Müdigkeit!

Um den Stausee herum führt ein sehr breiter Schotterweg. Viele Spaziergänger und Radfahrer sind hier unterwegs. Ein hoher Maschendrahtzaun grenzt den Weg von der Uferböschung ab. Etwa zwei Kilometer müssen wir nun diesem Zaun, fast immer geradeaus folgen, bis der Weg endlich wieder auf einem kleinen Pfad, entlang eines Zuflusses des Stausees einbiegt.

schön aber abgesperrt, der Nonnweilerer Stausee.

Der Pfad ist kurz, er führt zum Züscher Hammer. Eine rekonstruiertes Hammerwerk, das schon vor vielen hundert Jahren erbaut wurde. Hier trieb die Wasserkraft schwere Hämmer an, mit denen Eisen geschmiedet wurde. Das dafür benötige Eisen verhüttete man in einem Hochofen, den Köhler aus der Umgebung mit Holzkohle versorgten.

Züscher Hammer

Entlang des Baches geht es über eine Brücke weiter zu einem Schotterweg, der schnell über einen Pfad verlassen werden kann. Es geht steil aufwärts dem Ziel entgegen. An der „Dollbergquelle“ bekommen alle, die schon 18 sind und nicht fahren müssen – also nur ich – eine kleine Stärkung.

Da Merle nicht mehr kann, nehme ich sie auf den Rücken. Wir überqueren die Hauptstraße und ein kleiner Pfad führt uns auf einen Waldweg. Dieser läuft nun wieder endlos geradeaus bis zur Köhlerhütte, wo, oh Wunder, die Lebenskräfte der Kinder erneut erwachen und der Spielplatz intensiv genutzt werden kann. Außer uns ist niemand da zum spielen.

Uns hat die Strecke nur zum Teil gefallen.

Die grandiose Naturkulisse auf dem Dollberg, der Ringwall und die Felsen dahinter sind einen Besuch auf jeden Fall wert. Aber die endlos langen, langweilige, schnurgeraden Abschnitte, und vor allem die Schotterpiste entlang des Zaunes nagt sehr am Erlebnis- und Erholungsfaktor.

Sie passen überhaupt nicht zum Naturcharakter des Nationalparks.

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