Rundwanderung bei Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein;

Tour Natur,

da denkt man doch zu erst einmal an Grün, viel Grün. So ist es auch, aber das sich hinter dem Namen eine anspruchsvolle Wanderung, keine Stunde entfernt von Frankfurt, mit dem Hauch von Südfrankreich und Hochgebirge versteckt, das erfährt man erst, wenn man losgelaufen ist.

An einem bewölkten Samstag Morgen im September brechen wir nach Bad Kreuznach auf, um den kinderfreien Tag mit einer schönen, anspruchsvollen Tour zu verbringen.

Die sowohl mit Bus- und Bahn, wie auch mit dem Auto gut zu erreichende Strecke, beginnt für uns an der Salinenbrücke in Bad Kreuznach. Dort kann man sein Auto auf einem großen Parkplatz, direkt an der Strecke abstellen. Erst geht es an den Gradierwerken vorbei. Hier wurde früher Salz gewonnen, indem man die Sole über Reisigbündel herunter tropfen ließ. Später entdeckte man die wohltuende Wirkung der salzhaltigen Luft und der Bäderbetrieb entstand.

Über die Teufelsbrücke kommen wir langsam bergauf. Wir folgen dem Weg in den Kreuznacher Stadtwald.

Mit Beginn des Bäderbetriebs Ende des 19. Jahrhunderts, änderte sich auch die Nutzung des Waldes stark. Wurde früher mit dem Holz und der Rinde Geld verdient, so trat nun immer mehr die Erholung der Menschen im Wald in den Vordergrund, Wanderwege, Bänke und Schutzhütten entstanden.

Steil hinauf geht es auf immer felsiger werdenden Pfaden dem Naturschutzgebiet Gans entgegen. Der anfänglich dichte Wald lichtet sich. Esskastanien, Kiefer und krüppelige Eichen erinnern an Steilhänge in der Provence.

Die zurückliegende, monatelange Trockenheit verwandelt die Pfade in staubige, felsige Pisten. Man fühlt sich weit weg von zu Hause.

Tief hat sich die Nahe in das harte Porphyrgestein eingefräst, steil ragen die Felsspitzen um Bad Münster am Stein aus dem engen Tal hervor.

Immer wieder geht es auf und ab, weiter unten ist der Wald dichter, weiter oben lichtet er sich und gibt wunderbare Ausblicke in die Ferne frei.

Schwarzkiefern

Nach etwa 3,5km erreichen wir die Gans, mit 321 Metern die höchste Erhebung des Salinentals. Der Name soll vom keltischen Wort Ganta , für Geröll stammen, was naheliegend ist, denn überall im Gelände liegt Geröll und Felsbrocken verteilt. Auf dem Gebiet des Naturschutzgebietes Gans- Rheingrafenstein wächst der seltene Dipdam oder auch Aschwurz genannt, er blüht von Mai bis Juni.

Auf der Gans

Auch finden wir hier oben erstmals den Wegweiser unserer Tour, den Felsenahorn, er wird uns auf der Tour nun häufiger begegnen. Diese Pflanze, auch Französischer Ahorn genannt, ist eigentlich im Mittelmeerraum verbreitet. Sein nördlichstes Vorkommen findet sich hier an der Nahe, sowie an der Mosel und Mittelrhein.

Felsenahorn in Herbsfärbung
Weg im Eichenwald

Weiter geht es durch mediterranen Eichenwald, über felsige Pfade bis zur Ruine Rheingrafenstein, die im 11. Jahrhundert, über 130m hoch über dem Nahetal, auf einer Felsenspitze gebaut wurde.

Zusätzlich zur beeindruckenden Aussicht finden sich auf dem Gelände der Burg überall, je nach Geschmack, schattige oder sonnige Plätze für eine wohlverdiente Rast!

Schattenplatz
Sonnenplatz

Von der Burg steigen wir steile Stufen, durch schattigen, alten Wald herab ins Nahetal. Vorbei an einem kleinen Märchenpark, stehen wir plötzlich vor der Nahe, die hier sehr breit ist. Etwas überrascht stehen wir unter dem Felsen des Rheingrafenstein vor einer handbetriebenen Fähre, die uns übersetzten soll. Der Fährmann empfängt uns freundlich, kassiert und erinnert uns an die Maskenpflicht, die hier auf dem Kahn gilt.

Mit dem Anlanden der Fähre betreten wir den Kurpark von Bad Münster am Stein. Wir wandern naheaufwärts den Fluß entlang. Hier kann man mit Glück selteneWürfelnattern beobachten. Vorbei am Triebwerksgraben, der zum Antrieb der Pumpen für die Gradierwerke diente und an der ehemaligen Flussbadeanstalt, laufen wir unterhalb der Ebernburg in Richtung Norheim an einem ehemaligen Bahndamm entlang.

Die Ebernburg

Rechts von uns türmt sich das Massiv Rotenfels und die Bastei auf. Dort oben finden sich seltene Pflanzen, wie die Küchenschelle (Blüte im März) und Bergsteinkraut (Blüte April-Mai)

Rotenfels

Der Aufstieg zur Bastei beginnt in Norheim, erst über einen geteerten Weg entlang ehemaliger Weinberge, mit Trockenmauern und Schafen und biegt dann auf einen steilen Feldweg den Berg hinauf, ab.

Zwischen Weinreben erklimmen wir die Höhe.

Nun wird es wieder sehr schmal und staubig. Durch Schlehenhecken, über Stufen und durch krüppeligen Eichenwald geht es hoch über die Nahe hinaus. Wie schon auf der ganzen Strecke, treffen wir nur vereinzelt Wanderer, viel öfter treffen wir auf Smaragt Eidechsen, die sich schnell unter Steinen verkriechen, wenn wir uns nähern.

Der schweißtreibende Aufstieg, auf die mit über 200 Metern, höchste Felswand zwischen Alpen und Skandinavien, wird mit einer atemberaubenden Aussicht in die Ferne und ins Tal belohnt. Hier oben fühlt man sich eigentlich schon wie in den Alpen. Allerdings sind hier auch viele andere Spaziergänger unterwegs, da man mit dem Auto fast bis an die Felskante heran fahren kann.

Ohne Brotzeit keine Leistung

Wir genießen noch eine Weile die Aussicht und unsere Brotzeit und machen uns dann an die letzte Etappe unserer Tour Natur. Über das Hochplateau geht es Richtung Hardt wieder in den Wald. Hier beginnt der letzte Abstieg, es geh in engen Serpentinen über schmale Pfade vorbei an natürlichen Schutthalden wieder zurück ins Nahetal.

Glücklich und trotz Anstrengung entspannt, erreichen wir nach etwas mehr als 16 Kilometern und 750 Höhenmetern Aufstieg, unseren Ausgangspunkt an der Salinenbrücke in Bad Kreuznach.

Vielen Dank fürs lesen!

Fazit : Wer mal schnell für einen Tag alpines und mediterranes Gelände erkunden möchte, der wird auf der Strecke seine Freude haben. Allerdings ist die Strecke nicht für Anfänger geeignet, Trittsicherheit und Kondition sind erforderlich. Die Gehzeit ist mit 4,5 – 5 Stunden angegeben. Wir waren insgesamt etwa 7,5h unterwegs, allerdings mit ausgiebigen Pausen, die man sich auch nehmen sollte, um die Natur auf sich wirken zu lassen.

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